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Der Untergang



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Der Untergang
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über den Film
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meinungen

Interview
Prof. Dr. Joachim Fest


Interview:

Bruno Ganz

Hitler-Darsteller in Der Untergang










Weshalb haben Sie die Herausforderung angenommen, Hitler zu spielen?

Nachdem mir Bernd Eichinger das Drehbuch sowie das Buch von Joachim Fest geschickt hatte, schaute ich den Film "Der letzte Akt" von G.W. Pabst aus dem Jahr 1956 an. Dieser Film überzeugte mich, dass man Hitler wirklich spielen kann – in diesem Fall verkörpert von dem Bühnendarsteller Albin Skoda. Sonst schaut man ja immer auf die Unterschiede zum Original, aber diese Darstellung verselbständigte sich, und ich sah diesem Hitler zu und dachte, das ist keine Parodie, das ist Schauspielerei! Man kann sich durch Fantasie und Lektüre also herantasten an dieses merkwürdige Gebilde Hitler. Zu sehen, dass das möglich ist, war für mich ganz entscheidend. Beim Casting in München war ich selbst verblüfft, wie nahe ich Hitler – rein äußerlich – kam. Und dann hat mich ein ganz simpler, schauspielerischer Ehrgeiz gepackt, und ich wollte die Rolle übernehmen.

Wie beurteilen Sie die Gewichtung dieser Thematik in unserer Gegenwart?

Ich sehe nicht, dass das Honig für Neonazis wäre, und Altnazis spielen politisch keine Rolle mehr. Der Film zeigt auf eine wirklich rüde Weise den Untergang des Regimes. Schonungslos. Und selbst wenn es Situationen gibt, die man menschlich nachvollziehen kann, und Hitler nicht immer nur das Zeichen „Massenmörder“ auf der Stirn trägt, so ist das Weltbild dieser Figuren doch dermaßen absurd und wahnsinnig, dass ich denke, dieses Land und dieser Staat sind gefestigt genug, um diesen Film auszuhalten. Es geht eher um diese Faszination für den dunkelsten Abgang, der damals betrieben wurde, für diesen makaberen Sog, jenseits von aller Politik, für die Ästhetik der Nazis und ihrer Mission.

Was genau meinen Sie mit dieser Faszination?

Mich hat immer Hitlers Aufstieg, sein Verhältnis zum Volk und noch mehr das des Volks zu ihm interessiert. Wir sehen hier nur Hitlers letzte Tage – und selbst in seinem auch körperlichen Zerfall gibt es noch äußerst stabile Machtverhältnisse. Er kann noch immer anordnen, Menschen liquidieren zu lassen, und keiner würde je einen solchen Befehl missachten. Man ahnt, dass das ein Mann war, der im Vollbesitz seiner Kräfte über eine ungeheuer verführerische Seite verfügt haben muss – er war nicht der Komiker, über den wir heute lachen, wenn wir seine Reden hören, und auch nicht der Wahnsinnige – das ist zu wenig.

Welche war die schwierigste Situation, die Sie zu spielen hatten?

Ich erinnere mich an eine Szene sehr deutlich, als ich dieses Kind auf dem Schoß hatte, und es sang das Lied „Kein schöner Land in dieser Zeit“ – und man weiß, dieses Kind wird kurz danach von seinen eigenen Eltern, der Familie Goebbels, getötet. Das war schrecklich. Da möchte man eigentlich sofort weglaufen. Es gab auch andere schwierige, harte Szenen und Dialoge, wie z.B. massive antisemitische Äußerungen. Aber als ich mich entschieden habe, diese Rolle zu übernehmen, war mir klar, was das bedeutet.

Welche Hoffnung verknüpfen Sie mit diesem Film?

Ich sehe, dass wieder ein Diskurs auflebt über diese Zeit, auch literarisch, mit Günther Grass zum Beispiel, mit Büchern über das versunkene Schiff, über die Bombardierung deutscher Städte, darüber, dass Deutsche auch Opfer waren. Unser Film redet von den Tätern, von schrecklich verloren-todessüchtigen. Von äußerster Gewalt, von Ideen und Manipulationen. Auch das gehört zu diesem Diskurs.

Quelle: Constantin
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